Kuriose Fundstücke in den Teichen

Die Entwässerungsbetriebe prüfen ihre Anlagen. Die Hochwassergefahr in diesem Frühling ist gering.

Von Hendrik Rasehorn

Wolfsburg. Der Winter geht, der Frühling kommt. Bevor größere Regengüsse die Pegel ansteigen lassen, prüfen derzeit die Stauwärter der Wolfsburger Entwässerungsbetriebe (WEB) die technischen Anlagen, ob diese ein mögliches Hochwasser abfedern können. Zur Überprüfung des Ablaufbauwerks des kleinen Schillerteiches wurde die Presse eingeladen. Karin Hoffmann, bei der WEB verantwortlich für die Verregnung und das Kanalnetz, stand für ein Interview bereit.

Der Winter dauert eine gefühlte Ewigkeit und überall im Stadtgebiet liegen noch Schneereste. Steigt nun die Hochwassergefahr parallel zu den Temperaturen?

Nein, wir rechnen mit einem entspannten Frühjahr. Ein Großteil der Schneemassen ist bereits weggetaut. So langsam, wie der Winter gekommen ist, geht er nun wieder. Ein Problem könnte es nur geben, wenn es über mehrere Tage stark regnet, der Boden noch gefroren ist und deshalb das Regenwasser nicht aufnehmen kann.

Können Sie am Beispiel des kleinen Schillerteichs erklären, wie in Wolfsburg die Regenwasserableitung funktioniert?

Wo gebaut wurde, sind die Flächen meist versiegelt. Regen fließt nur zu einem geringeren Teil über die Kanalisation ab und zum größten Teil überirdisch über Gräben in die Regenrückhaltebecken. Dazu gehört auch die kleine Schillerteichkette mit Stemmelteich, Ziegelteich, Frauenteich, Krummer-Teich und eben dem Kleinen Schillerteich. Dort wird das Regenwasser gespeichert. Die Teiche sind verbunden durch Gräben und Abläufe. Darüber wird das Wasser in den Großen Schillerteich und von dort in den Hasselbach geleitet, der in einem Kanal unter der Stadtmitte geleitet wird. Der Kanal wird im Norden unter dem Touareg-Parkour der Autostadt sowie unter dem Mittelandkanal hindurch geführt und mündet in der Aller. In den Mittellandkanal wird das Wasser nicht geleitet, weil der nur eine begrenzte Kapazität hat.

Die Kleine Schillerteichkette und der Große Schillerteich sind die größten und damit die wichtigsten Regenrückhaltebecken der Stadt. Es gibt in Wolfsburg noch weitere Teiche und viele künstlich angelegte, wesentlich kleinere Becken. Bei einem Neubaugebiet müssen wir schauen, dass ein Regenrückhaltebecken in die Landschaft passt. Man kann Trockenbecken bauen, die nur bei Regen volllaufen, aber Teiche fügen sich harmonischer in die Landschaft ein.

Wenn die WEB-Mitarbeiter die Bauwerke an den Regenrückhaltebecken kontrollieren, gibt es doch bestimmt interessante Funde?

Die Funktionstüchtigkeit jedes Bauwerks wird einmal im Jahr überprüft. Meistens sammeln die Mitarbeiter vor den Zuläufen Schilf, Äste, leider viele, viele leere Flaschen und anderen Hausmüll auf. Außerdem finden wir immer wieder Fahrräder. Es gab auch den spektakulären Fund eines aufgebrochenen Tresors.

So wird das Regenwasser aufgefangen

70 Regenrückhaltebecken betreiben die Wolfsburger Entwässerungsbetriebe (WEB). Die Gesamtlänge aller Wassergräben in der Stadt, um die sich die WEB kümmert, ist 120 Kilometer.

Hausherren der Rückhalteanlagen sind zwei speziell ausgebildete Stauwärter. Drei weitere Mitarbeiter kümmern sich um die Rückhaltebecken.

Das Einzugsgebiet der Kleinen Schillerteichkette (Stemmelteich, Ziegelteich, Frauenteich, Krummer-Teich, Kleiner Schillerteich) ist 6 Quadratkilometer groß. Es umfasst den Bereich südlich der Röntgenstraße und den Rabenberg. Im Fall eines Hochwasser können die fünf Teiche bis zu 100000 Kubikmeter (100 Millionen Liter) Wasser fassen.

Das zentrale Regenwasserdepot der Stadt ist der Große Schillerteich. Sein Einzugsgebiet beträgt 24 Quadratkilometer. Dies entspricht einem Zehntel der Stadtfläche (insgesamt 240  Quadratkilometer). Er fasst bis zu 500000 Kubikmeter.

Stauwärter Matthias Eichhorn steigt hinunter ins Auslaufbauwerk am Kleinen Schillerteich und setzt einen neuen Dammbalken ein. Mit dem wird verhindert, dass es bei Hochwasser überschwemmt wird. Das kalte Wetter stört Eichhorn nicht. "Man glaubt es ja kaum, aber unten ist es viel wärmer als oben", verrät der Stauwärter. Durch das Auslaufbauwerk fließen derzeit rund 350 Liter Wasser - pro Sekunde. Im Fall eines Hochwassers kann es bis zu 2000 Liter pro Sekunde bewältigen, bevor es überläuft.Fotos:Hendrik Rasehorn

Immer wieder verstopft Müll die Zuläufe zu den Rückhaltebecken. Hier am Kleinen Schillerteich gab es gestern einen Überraschungsfund für die Stauwärter Maik Möx (links) und Matthias Eichhorn: einen Einkaufswagen.

Und noch ein Fundstück: ein altes Fahrrad - vielleicht Diebesgut? Die Polizei wird kontaktiert.